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Mythos Galilei
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Streitpunkte

Moderne Diskussionen um Galilei

xGalilei hatte viele interessante Entdeckungen gemacht als Pionier der Astronomie und Physik. Mit seinem Namen verbindet sich aber eher sein Streit mit der römischen Inquisition. Zu jener Zeit wurden astronomische Thesen auch für politisch-aufrührerische Zwecke mißbraucht, daher die entsprechende Aufmerksamkeit von Behörden.
Damit, daß sich die Erde um die Sonne dreht, hatte Galilei einigermaßen Recht. Nur waren seine Beweise dafür irrig oder unbrauchbar. Daß die Entdeckungen des deutschen Astronomen Kepler einen Schlüssel zur Lösung der von ihm ungelösten Probleme boten, wollte Galilei nicht wahrnehmen. Zugleich verband er mit seinen Theorien theologische Interpretationen, die nicht in sein Fachgebiet fielen. Sein Verhalten in Untersuchungen der Inquisition, die oft auch ihr theologisches Fachgebiet durch naturwissenschaftliche Aussagen verließ, war nicht frei von Provokationen.
Obwohl nachsichtig behandelt, wurde sein Fall im kulturideologischen Interessengeflecht der späteren Aufklärung willkommene Munition für Kirchenkritik, wobei Galileo auch zum Entdecker des Fernrohrs und der Fallgesetze wurde. Eine aufgeklärte Einsicht in die realen Hintergründe des Falles ist bislang kaum bekannt.

xZum 300. Todestag Galileis 1942 erging ein Auftrag der päpstl. Akademie der Wissenschaften zur Erstellung einer Biographie durch Msgr. Pio Paschini. Nach langer Arbeit wurde die Publikation untersagt. Erst 1964 wurde sie veröffentlicht mit Ergänzung neuen Wissens und Zensur kritischer Aussagen zur Kirche. Doch auf dem 2. Vatikanischen Konzil wurde Galilei von Kardinal Suenens und Erzbischof D´Souza als Synonym für Fortschritt gegen Kirchentradition gestellt. Papst Paul  VI. rief am 7.12.65 auf, „den Glauben Galileis, Dantes und Michelangelos nachzuahmen“.
In der Konzilskonstitution „Gaudium et Spes“ vom 7. Dezember 1965 wurde „mangelndes früheres Verständnis von Christen für die Autonomie der Wissenschaft“ bedauert mit Fußnote auf die Galilei-Biographie von Paschini. Zwei Konzilsväter wollten dieses Bedauern verschweigen, um einen „Minderwertigkeitskomplex der Kirche gegenüber der Wissenschaft“ zu verhindern.
Der Dominikaner William Wallace enthüllte längst bekannte Plagiate in Galileis Arbeit und beschönigte dies als üblich und als Kompliment für die bestohlenen Urheber (ddp 02/81). Umgekehrt hat Galilei jedoch jedes vermeintliche Plagiat aus seiner Arbeit scharf bekämpft (Proportionalzirkel, Sonnenflecken). Ideenklau kann also auch zu Galileis Zeiten nicht so üblich und löblich gewesen sein. Der heutige wechselhafte Umgang mit der historischen Figur des Galileo scheint in Person und Leben ihr Spiegelbild zu finden.

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